Prag, die goldene Stadt

Die tschechische Hauptstadt ist berstend voll von Sehenswürdigkeiten, über die Andere schon ausführlich berichtet haben. Daher konzentriere ich mich auf die Attraktionen aus der zweiten Reihe.

Als Architekt hat man es ziemlich schwer, in der Menge der historischen Gebäude aufzufallen. Da muss man sich schon etwas ganz Besonderes einfallen lassen, zum Beispiel originelle Skulpturen oder ein „tanzendes Haus“.

Statue mit Fackel reitet auf Löwen auf Hausdach
Die Freiheitsstatue reitet aus
Statue mit Fackeln auf Chechovbrücke in Prag
Die Eisverkäuferin auf der Chechovbrücke hat Gegenwind
Skulptur auf Karlsbrücke in Prag
Historischer Wegweiser auf der Karlsbrücke: da geht’s zur Burg
Skulptur Die Lesende
Der Autistenthron. Lesen mitten im Trubel der Großstadt
Tanzendes Haus in Prag
Gewagte Architektur: das tanzende Haus

Viele Städte leiden unter den Aufklebern, die an alle möglichen Stellen gepappt werden. Prag hat dafür extra einen Platz geschaffen. Erstaunlich, dass sich so viele Menschen daran halten, aber so entsteht fast schon ein Kunstwerk.

Wand mit Aufklebern
Ein Rahmen für Aufkleber

Die kleinste Gasse in Prag ist so eng, dass sogar eine Fußgängerampel installiert wurde, um den Gegenverkehr zu regeln. Um Wartezeiten bei längeren Rotphasen zu überbrücken, wird das beliebte Pilsner Urquell ausgeschenkt.

Engste Gasse von Prag mit Fußgängerampel
Die engste Gasse von Prag

Der Malteserorden verbirgt sich hinter altehrwürdigen Mauern. Viel interessanter ist aber, was um die Ecke an der Außenmauer des Ordens entstand: die Lennon Wall. Hier sprühen Graffitikünstler seit über 30 Jahren ihren Protest an die Wand. Was anfangs als ärgerliche Schmiererei geduldet wurde, ist heute ein geschützter Ort der Meinungsfreiheit.

Lennon Wall in Prag
Lennon Wall: Platz für kreativen Protest
Lennonwall in Prag
Beatles-Song in Coronazeiten
Detail Lennon wall
Detail an der Lennonwall

In der Nähe der Lennon Wall krabbeln hirnlose Gestalten durch den Park.

Skulpturen krabbelnde Figuren in Prag
Digitalisierung: Festplattenspeicher ersetzen das Gehirn
Neugieriger Tourist vor Skulptur
Kontrolle – alles sauber!

In Prag gibt es deutlich mehr Autos als Parkplätze. Verständlich, dass da jeder Fleck genutzt wird, aber das hier ist schon ziemlich unkonventionell:

Parkplatz in der Moldau
Ungewöhnlich feuchter Parkplatz

Museen gibt es in Prag wie Sand am Meer, darunter auch ungewöhnliche Ausstellungen, wie das Museum für böhmische Granaten (Edelsteine, keine Handgranaten!), drei Museen für optische Täuschungen und Spezialeffekte in Filmen und das Museum für Prager Geister und Legenden. Vor dem Sexmaschinenmuseum drücken sich Scharen von kichernden Jugendlichen herum.

Sexmaschinenmuseum in Prag
Museum für Sexmaschinen

Die tschechischen Backwaren sind nicht von schlechten Eltern. Beim Probieren sollte man aber immer etwas Insulin dabei haben.

Kaffee mit Gebäck
Kaffeepause
Mann isst Süßigkeiten
Der SinnlosReisende im Zuckerschock

Wenn die Sonne untergeht zeigt sich Prag von einer anderen Seite – zauberhaft und geheimnisvoll.

Teynkirche in Prag bei Nacht
Teynkirche (Chrám Matky Boží před Týnem)

Das Fazit der SinnlosReisenden zu Prag: Immer eine Reise wert!

Der Furz von San Jose

Mittelamerikanische Verdauungsprobleme in Bildern

Costa Rica hat zwar eine geringere Wirtschaftsleistung als die Region Stuttgart, aber trotzdem ist das kleine Land in einigen Dingen dem deutschen Staat um Jahrzehnte voraus. Während in Deutschland der Kohlebergbau immer noch subventioniert wird, ist man hier schon lange bei fast 100% regenerativer Energieerzeugung angelangt. Und es funktioniert.

Durch konsequenten Umweltschutz sind inzwischen wieder mehr als die Hälfte des Landes mit Wald bedeckt und 160 Schutzgebiete hindern Großkonzerne an der Abholzung. Größere Hotelkomplexe findet man hier kaum, überwiegend wird Ökotourismus in kleinen, nachhaltigen Familienunternehmen betrieben. Ein echter Gewinn für Einheimische, Natur und Touristen.

Das Militär wurde in Costa Rica schon vor Jahrzehnten abgeschafft und dafür zur Freude der Nachbarn Nicaragua und Panama eine konsequente politische Neutralität verkündet. Das und die hohen Berge haben dem Land den Beinamen „die Schweiz Mittelamerikas“ eingebracht. Die Militärausgaben wurden stattdessen in Bildung und Gesundheit investiert und irgendwie hat es das demokratische Land geschafft, dass seine Bewohner zu den zufriedensten Bürgern der Welt gehören.

Als wir uns am Flughafen von San Jose mit Bargeld versorgten, fühlten wir uns gleich wie Millionäre. Leider nur in Colon, der hiesigen Währung.

Costa Ricanisches Geld
Nach dem ersten Banküberf … äh Bankbesuch

Als wir aus dem Sicherheitsbereich des Flughafens heraustraten, wurden wir sofort von einem dieser „hilfsbereiten“ Transfer-und Taxi-Vermittler angesprochen. Da wir aus zahlreichen Ländern um die Wucherpreise dieser Taximafia wussten, wimmelte ich den jungen Mann mit dem Hinweis ab, dass wir einen Mietwagen reserviert hatten. Ganz euphorisch bot er uns gleich einen kostenlosen Transfer zur Mietwagenstation an. Aber nicht mit mir! Diesen Trick durchschaute ich sofort und wir gingen unbeirrt zum Schalter der Mietwagenfirma.

Dort wurden wir ganz erstaunt gefragt, ob wir denn den Mitarbeiter verpasst hätten, der den kostenlosen Transfer zur Mietwagenausgabe organisiert. Der stand etwas ratlos im Hintergrund und zerknirscht musste ich zugeben, dass mein Misstrauen völlig unbegründet war. Diese positive Erfahrung bestätigte sich in den nächsten Wochen – kein einziges Mal wollte uns Jemand etwas aufschwatzen oder verkaufen. Die Ticos (so nennen sich die Costa Ricaner selbst) waren einfach nur freundlich, hilfsbereit und zurückhaltend.

Eigentlich ist Kriminalität in Costa Rica kein Problem. Nachdenklich stimmt allerdings der Aufkleber auf einem Rettungswagen, der ausdrücklich die Mitnahme von Pistolen untersagt.

Rettungswagen in San Jose
Zutritt nur ohne Handfeuerwaffen. Wie soll man sich denn da verteidigen?

Das Essen besteht in Costa Rica in aller Regel aus Bohnen mit verschiedenen Beilagen. Zum Frühstück gibt es Gallo Pinto, Bohnen mit Reis und Ei. Sehr beliebt sind auch Patacones, frittierte Kochbananen mit Bohnenmus und reichlich Zwiebeln.

Patacones mit Beilagen
Patacones in Riesenportionen

Die bohnenlastige Kost schmeckt meist extrem lecker, verursacht aber auch extreme Verdauungsreaktionen. Der einheimische Künstler Jimenez Deredia hat sich dieser Thematik in einer Skulpturenserie angenommen, die in der Fußgängerzone von San Jose zu bewundern ist.

Skulptur
Ein gärendes Unwohlsein breitet sich im brennenden Gedärm aus…
Skulptur
…und verwandelt sich allmählich in ein alles beherrschendes Grimmen.
Skulptur
Der Darm schwillt und schwillt bis zur Unkenntlichkeit…
Skulptur
…und die Blähungen krümmen den Körper solange…
Skulptur
…bis endlich, endlich ein gewaltiger Furz sich seinen Weg bahnt.
Skulptur
Der ganze Mensch verwandelt sich in eine Serie von Flatulenzen…
Skulptur
…um endlich wieder der Entspannung Raum zu geben, bevor der Zyklus bei der nächsten Mahlzeit wieder von vorne beginnt.

Jimenez Deredia, falls du das hier liest: Ich fürchte, ich habe deine Skulpturen anders verstanden, als von dir beabsichtigt. Aber gehört zur Kunst nicht auch die Freiheit der Interpretation dazu?

Happy Birthday

Sinnlosreisen feiert seinen ersten Geburtstag. Wow, was für ein Jahr!

Ich hatte mich schon länger darüber geärgert, dass die Gedanken, die ich mühsam auf der winzigen Handytastatur in meinen WhatsApp-Status reinfummle, nach 24 Stunden unwiederbringlich in den Tiefen des Internets verschwinden. Und die amerikanischen Geheimdienste wollte ich nicht darum bitten, mir eine Kopie aus ihrem Archiv zuzuschicken. Denn bei soviel Unsinn könnte ich ein Einreiseverbot wegen geistiger Unzurechnungsfähigkeit nicht ausschließen.

Und dann kam vor einem Jahr der Corona-Lockdown und ich nutzte die sinnlose Zeit dazu, diesen Blog ins Leben zu rufen. Das war natürlich ein äußerst geschickter Zeitpunkt für einen Reiseblog. Wer hätte damals gedacht, dass Reisen einmal so schwierig wird? Anfangs war ich überhaupt nicht von der Idee überzeugt, meine Gedanken einfach so öffentlich ins Internet zu stellen, ohne zu wissen, wer das liest – das hat mir schon ein bisschen Unbehagen bereitet.

Klar gab es im Freundes- und Familienkreis Menschen, die meine Geschichten lustig fanden. Aber jeder kennt diese talentfreien Leute aus DSDS oder anderen Castingshows, die sich bis auf die Knochen blamieren („Meine Tochter kann ja sooo toll singen, mir kommen jedesmal die Tränen!“).

Meine Befürchtungen waren aber völlig unbegründet, denn mein Blog lag unbeachtet in einer ruhigen Ecke des Internets herum, in einer unbeleuchteten Nebenstraße, in der offenbar nichts los war. Mir war das nur recht und ich schrieb in Ruhe weiter meine Geschichten. Irgendwann kamen dann aber wohl doch ein paar Neugierige vorbei.

Nach 45 Beiträgen ist es nun Zeit, mich bei meinen über 1000 Besuchern aus 19 Ländern und den inzwischen 53 Followern zu bedanken. Ich hätte vor einem Jahr niemals mit so einer Resonanz gerechnet. Danke für jeden Kommentar und jeden Like, Danke für euer Interesse und für eure Treue! Ohne euch wäre es tatsächlich sinnlos, diesen Blog zu schreiben.

Und ein ganz besonderes Dankeschön geht an die SinnlosReisende, die den Schreiberling in mir geweckt hat, die mit ihrer ehrlichen Kritik meine Beiträge auf Schwachstellen abklopft und die meinen Unsinn nun schon so lange erträgt.

Wir stehen in den Startlöchern, aber immer noch bremst das Virus unseren Reisedrang aus. Zum Glück lagern noch viele Erinnerungen an vergangene Erlebnisse im Langzeit-Archiv und ich werde weiterhin alle zwei Wochen einen neuen Beitrag posten. In der Zwischenzeit empfehle ich euch meine persönliche Lieblingsgeschichte aus einem Jahr Sinnlosreisen, die beweist, dass man nicht in ferne Länder reisen muss, um verrückte Dinge zu erleben: Die klinik

Zum Geburtstag bekam der Blog einen neuen Header mit Bildchen für Leute, die nicht so gerne lesen. Man soll ja ein breites Publikum ansprechen. Und für den Blogger gab’s ein Handy mit besserer Kamera und einen Crashkurs in Gimp. Ich bin bereit für das zweite Jahr. Let’s go!

Liebe Grüße

Euer Marco

Im Rotlichtviertel von Pnomh Penh

Drücke niemals leichtfertig den roten Knopf!

Hier in den Nebenstraßen von Kambodschas Hauptstadt offenbaren sich die dunklen Seiten des Tourismus. Es ist erschreckend, dass auf der Toilette ausdrücklich auf das Verbot von Kinderhandel hingewiesen wird. Als ob das nicht selbstverständlich wäre. Ein Blick auf die Straße zeigt aber, dass die Realität noch viel schlimmer ist.

tafel auf der toilette
Ein Schild auf der Männertoilette

Abends bin ich alleine in einer Rotlichtbar. Ich drücke den roten Button auf dem Tisch und eine verdammt gut aussehende junge Dame im viel zu kurzen roten Minikleid beugt sich zu mir runter. „Willst du meine Knöpfe drücken?“, haucht sie mir mit verführerisch rauchiger Stimme ins Ohr.

the red button

Im Separee zieht sie ihr Kleid nach unten und zwei wunderschöne Tennisbälle springen aus ihrem Dekolletee. Als ihre Hüllen ganz fallen, kommt noch etwas ganz anderes zum Vorschein. Die Lady ist ein Mann beziehungsweise der Mann ist eine Frau. Als die „diverse Person“ mich rückwärts auf das Sofa schubst, schreie ich laut und erwache schweißgebadet aus meinem Traum.

In Kambodscha und Thailand gehören Menschen mit nicht eindeutigem Geschlecht fast schon natürlich zum Straßenbild. Es scheint hier einfach egal zu sein. In Deutschland dagegen verstrickt man sich in Formalitäten. Man findet immer mehr Stellenausschreibungen mit der Ergänzung m/w/d. Wie spricht man eigentlich die Menschen korrekt an, die sich nicht dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuordnen? Eigentlich müsste die diverse Person sächlich sein, denn weiblich oder männlich ist sie ja offensichtlich nicht. Andererseits ist ein Mensch sicher keine Sache, egal ob divers oder nicht. Sehr geehrte Frau Maier, Sehr geehrter Herr Müller, Sehr geehrte diverse Person Huber? Wohl eher nicht. Der Rat für deutsche Rechtschreibung scheint in diesem Punkt eher ratlos zu sein.

Warum muss man überhaupt eine dritte Kategorie für das Geschlecht einführen? Wäre es nicht einfacher, das Geschlecht im Alltag ganz wegzulassen? Wozu muss eine Fluggesellschaft wissen, ob auf Platz 34B ein Mann, eine Frau oder jemand anderes sitzt? Die servieren doch sowieso unabhängig vom Geschlecht jedem den gleichen schrecklichen Fraß!

Fragen über Fragen. Ich freue mich über jeden Hinweis von meinen Lesern (m/w/d) in den Kommentaren.

Andalusien – wo Mauren Mauern mauern

Impressionen aus dem Kurzurlaub in Spaniens Süden.

Als die Mauren im Jahre 711 Spanien eroberten, brachten sie Wissenschaft, Wohlstand und Kultur in das bis dahin ziemlich unterentwickelte Gebiet. Sie nannten den südlichen Teil des Landes Al-Andalus und beherrschten ihn über 700 Jahre lang. In Granada erbauten die maurischen Herrscher die Alhambra, in der damals die Abgesandten aus aller Herren Länder auf eine Audienz warteten. Heute warten Touristen aus der ganzen Welt darauf, die Gemächer besichtigen zu dürfen. In der Hauptsaison muss man mindestens drei Wochen im Voraus seine Tickets im Internet bestellen, damit man einen Zeitslot von einer Stunde bekommt.

Alhambra
Innenhof in der Alhambra

Die Gebäude der Alhambra sehen von außen eher schlicht aus, aber in den schattigen Innenhöfen gibt es blühende Gärten und künstliche Seen vom Feinsten. Man weiß bis heute nicht so genau, woher der Begriff Mauren kommt, aber unbestreitbar konnten Mauren Mauern mauern, dass bis heute die Besucher vor Ehrfurcht erstarren.

Alhambra
Von Mauren gemauerte Mauern mit Lichtspieleffekten
Löwnebrunnen Alhambra
Der legendäre Löwenbrunnen im Innenhof der Alhambra. Ich finde ja, die Löwen sehen komisch aus

Zwischen Granada und Sevilla liegt das unscheinbare Städtchen Ronda. Eigentlich nichts besonderes, aber mitten durch das Dorf geht eine mächtige Schlucht.

Schlucht Ronda
Die Schlucht von Ronda

Und damit die Bewohner nicht immer durch die Schlucht hinab und wieder hinauf steigen mussten, bauten sie eine ziemlich beeindruckende Brücke, die die beiden Seiten verband.

Brücke Ronda
Das ist die neue Brücke von Ronda

In Sevilla sehen die Bäume aus, wie Häuser…

Quadratischer Baum in Sevilla

…und die Gebäude sehen aus wie Bäume

Parasol Sevilla
El Parasol – ein Bauwerk in Baumform
Blick vom Parasol
Blick vom Dach des Parasol über Sevilla
Haus Sevilla
Altes Haus in Sevilla
Cathedrale von Sevilla
Die Kathedrale von Sevilla

Die Kathedrale von Sevilla ist von außen schon ziemlich beeindruckend. Wer genügend Puste hat, kann auf den Glockenturm steigen und die Aussicht genießen.

Kathedrale von Sevilla
Blick vom Dach der Kathedrale in den Innenhof

Im Jahr 1492 passierte Weltbewegendes: Isabella I. vertrieb nach 700 Jahren die Mauren aus Andalusien und Christoph Kolumbus entdeckte währenddessen einen neuen Kontinent. In der Kathedrale von Sevilla liegt das Grab, in dem sich Kolumbus umdrehen würde, wenn er die Twitternachrichten aus dem Land lesen müsste, das er entdeckt hat.

Grab von Christoph Columbus
Das Grab von Christoph Kolumbus in der Kathedrale von Sevilla
Sonnenuntergang in Cadiz am Meer
Cadiz liegt am Atlantik und bietet erstklassische Sonnenuntergänge
Hotel mit Meerblick
In der Beschreibung stand, unser Hotel in Torremolinos habe Meerblick. Nun gut, falsch war das nicht…
Pinguine am Strand
Das Wasser war im Juni so kalt, dass Pinguine auf einer Eisscholle angespült wurden
Die spanischen Rettungsschwimmer bereiten sich auf die Saison vor

Schwarzwald – ohne Rückfahrtticket

Im Sommer gibt sich der Schwarzwald als harmloses Mittelgebirge mit sonnengefluteten Berghängen, blühenden Blumenwiesen und gemütlichen Wanderwegen. In den Wintermonaten zeigt er sein anderes Gesicht. Meterhohe Schneeverwehungen, die jedes Durchkommen unmöglich machen, von der Außenwelt abgeschnittene Täler und monatelange Einsamkeit. Und immer wieder bringt ein überraschender Wintereinbruch arglose, unvorbereitete Wanderer in große Verlegenheit.

Ich verbringe den Oktober 2019 in einer Rehaeinrichtung in Bad Dürrheim. Unter der Woche erlebe ich irrwitzige Situationen in der Klinik, aber die Wochenenden sind so langweilig wie Schachspielen mit einem Betonpfosten. Bevor sich der Schimmel auf mir festsetzt, mache ich einen Ausflug zu den Triberger Wasserfällen.

Triberg besitzt offensichtlich das Patent auf „das Original“. Original Schwarzwälder Kuckucksuhren aus taiwanesischer Produktion werden an japanische Reisegesellschaften verkauft. Original Schwarzwälder Schinken werden von Frauen in Original Schwarzwälder Trachten zur Verköstigung angeboten. Und in einem Cafe bestelle ich eine Original Schwarzwälder Kirschtorte, um meine Energiereserven aufzuladen. Die Torte ist so fett, dass ich zur Rettung meines Magens ein Original Schwarzwälder Kirschwasser hinterher schicke und dann geht es auch schon los ins laut pochende Herz des Schwarzwalds. Ins Original, natürlich.

Unberührte Wälder im Herzen des Schwarzwalds

Die Wasserfälle selbst sind absolut unspektakulär, aber die Landschaft drum herum ist zauberhaft. Ich wandere einige Stunden lang in den wärmenden Strahlen der spätherbstlichen Sonne durch wunderschöne Wiesen, auf denen die Bauern schon die Loipen für die Wintersaison vorbereiten. Als die Sonne sich allmählich bereit macht für einen letzten goldenen Sonnenuntergang vor dem angekündigten Wintereinbruch, nehme ich eine Abkürzung durch den Wald, um noch vor der Dämmerung beim Auto zurück zu sein. Ich gerate immer tiefer in den Wald und genieße die unberührte Natur mit grün leuchtenden, moosüberwucherten Felsen. Hier war jahrelang kein anderer Mensch vor mir gewesen. Herrlich.

Pilze, Moos
Eigenartige Pilze im Moos

Wie alle Männer habe ich glücklicherweise ein angeborenes Orientierungsvermögen, das jedes Navi in den Schatten stellt. Man kann einen Mann nach einer Flasche Wodka aus dem Tiefschlaf wecken und er kennt zwar seinen eigenen Namen nicht mehr, aber er weiß mit schlafwandlerischer Sicherheit, wo Norden ist. Das funktioniert auch noch, wenn man den Mann mit verbundenen Augen in einem Fass die Niagarafälle hinabstürzen lässt.

Es ist deshalb keinesfalls so, dass ich mich verlaufen hätte, nein nein, es ist einfach nur so, dass mit jedem Meter, den ich gehe, der Abstand zu meinem Auto größer wird. Wahrscheinlich wieder ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum oder schlechtes Kartenmaterial auf meinem Handy.

Pilze
Noch mehr Pilze

Die goldene Sonne sinkt langsam aber sicher zum Horizont hinab. Als sich auch der Ladebalken meines Handys dem Horizont nähert, gehen mir die Grundfragen der Philosophie durch den Kopf, die schon seit Urzeiten die Menschheit bewegen:

  • Wo bin ich?
  • Wenn ja, warum?
  • Kann man ein Handy orten, wenn der Akku leer ist?
  • Habe ich eigentlich Jemandem gesagt, dass ich nach Triberg fahre?
  • Gibt es im Schwarzwald Wölfe?
  • Wann beginnt wohl die Schneeschmelze im Frühjahr?

Szenen aus Buddhas Leben

Wenn man zu faul ist, den Reiseführer zu lesen, muss man sich selber zusammen reimen, was die ganzen Bilder und Figuren in Thailands Tempeln darstellen. Das kann richtig sein, muss aber nicht. Buddhisten ohne Humor sollten besser nicht weiter lesen…

Unsere Tickets waren auf das Jahr 2563 ausgestellt. So lange wollten wir nicht warten und wir betraten das Museum vorzeitig. Später erfuhr ich, dass in Thailand die Zeitrechnung in dem Jahr beginnt, in dem Siddhartha Gautama ins Nirvana entschwand. Der Begründer des Buddhismus hatte bereits mehrere Reinkarnationen hinter sich, als der kleine Jesus noch in die Windeln machte. Da ich wie meistens den Reiseführer nicht gelesen hatte, musste ich mir selbst ausdenken, was die Szenen aus Buddhas Leben darstellen sollen.

Der kleine Buddha hat keine Lust, an der Hand seiner Eltern spazieren zu gehen. Er würde lieber die beiden Vögel fürs Abendessen fangen und quengelt. Seine Mutter im blauen Kleid holt schon zu einer gewaltigen Ohrfeige aus:

bild mit szenen aus buddhas leben

Die Männer kommen früher als erwartet von ihrer Geschäftsreise zurück. Die Freude bei den Frauen hält sich in Grenzen:

bild mit szenen aus buddhas leben

Der jugendliche Buddha beeindruckt die Damenwelt mit Zaubertricks und versucht sein Glück mit Liebestränken. Die verstorbene Großmutter im Himmel winkt frustriert ab; auch sie war dereinst auf ähnliche Tricks reingefallen:

bild mit szenen aus buddhas leben

Bei Vollmond klappt es dann auch mit der Liebe. Die Verflossenen stehen bis zum Bauch in einem See aus Tränen und schließen die Augen, um das Geschmachte nicht mit ansehen zu müssen:

bild mit szenen aus buddhas leben

Buddha trinkt Tee und spricht mit den Tieren. Es ist nicht überliefert, welche Substanzen in dem Tee waren. Der Elefant ist offensichtlich angeschickert:

bild mit szenen aus buddhas leben

Buddhistische Mönche darf man eigentlich nicht fotografieren. Diese hier sind aber nur Wachsfiguren. Da kann Madame Tussaud noch etwas lernen:

wachsfiguren von buddhistischen mönchen

Die frisch geschlüpften Mönchsbabys werden gefüttert. Dann schultern sie ihre Baseballschläger und gehen in die Unterstadt zum Randalieren:

skulptur mit kleinen mönchen

Auch ein Erleuchteter hat mal einen schwarzen Tag:

Schwarzer Buddha

Von Almosen kann man ganz gut leben. Buddha vor der Diät:

goldene buddhastatue mit dickem bauch

Auch im Buddhismus kann Alkohol zu einem echten Problem werden:

verkaterte buddhastatue verhüllt

Hm, jetzt werde ich ein bißchen unsicher. Vielleicht sollte ich doch besser erstmal im Reiseführer nachlesen?

Katarrh in Qatar

Wenn zum Pech noch Unglück und Unwissenheit dazu kommen, dann liegen die Zutaten bereit, aus denen das Schicksal einen missratenen Urlaub braut.

Wer mit Qatar Airlines von Europa nach Asien fliegt, kommt um eine Zwischenlandung in Doha nicht herum. Wir hatten die glorreiche Idee, diesen Aufenthalt für eine Stadtbesichtigung mit Übernachtung zu nutzen. Immerhin ist Qatar das reichste Land der Welt und Gastgeber der Fußball-WM 2022. Das muss man doch einmal gesehen haben.

Bei der Hotelbuchung wurden wir darauf hingewiesen, dass Paare beim Bezug eines Doppelzimmers laut Erlass des Emirs von Qatar eine Heiratsurkunde am Check-In vorlegen müssen. Denn außerehelicher Sex ist dort bei Strafe verboten, insbesondere für Frauen. Einer geisteskranken Logik folgend kommen daher Frauen, die eine Vergewaltigung bei der Polizei anzeigen, postwendend selber ins Gefängnis.

Wir ließen uns davon nicht abschrecken und traten unseren Daytrip voller Neugier an. Dann hatten wir etwas Pech: schon eine Minute nach dem Betreten des Landes wurde meine Kreditkarte am Flughafen von Doha für immer von einem gierigen Geldautomaten verschluckt. Kein guter Auftakt für eine dreiwöchige Asienreise.

Dann kam zum Pech noch Unglück dazu. Der Wüstenstaat Qatar gehört zu den trockensten Gebieten auf dem Planeten Erde. Oft fällt monatelang kein einziger Tropfen Regen. In den vierundzwanzig Stunden unseres Aufenthaltes regnete es dagegen ununterbrochen in Strömen.

Platz in Quater bei Regen

Für die einheimische Bevölkerung war das ein seltenes Schauspiel, aber für uns ein allzu vertrautes, aber ungeliebtes Ereignis. Die Scheichs wateten knöcheltief durch die schlammigen Pfützen und zogen ihre nassen Kaftans hinter sich her.

Souq Waqif bei Regen

Der Souq Waqif ist ein arabischer Markt, in dem alles verkauft wird, was man sich vorstellen kann und auf Nachfrage auch noch mehr. Normalerweise ein quirliger Ort voller orientalischer Betriebsamkeit, lag der Basar eigenartig verlassen, fast wie ausgestorben da.

Souq Waqif bei Regen

In unserer Unwissenheit hatten wir gar nicht darauf geachtet, dass unser Tagesausflug ausgerechnet auf einen Freitag fiel. Und da geht der Moslem nicht auf den Markt, sondern zum Freitagsgebet.

Zur Feier des Tages ließ ich mich noch schnell von einer arabischen Crepebäckerin übers Ohr hauen. Der Pfannkuchen war zwar ganz lecker, aber irgendwie war der Preis am Ende doppelt so hoch wie am Anfang ausgehandelt.

Crepebäckerin in Doha

Dann brachen wir dieses unglückliche Intermezzo ab und nahmen bis auf die Knochen durchnässt das nächstbeste Taxi Richtung Flughafen. Dort war die Klimaanlage so eingestellt, dass Eisbären wegen Unterkühlung eingehen würden. Die Sinnlosreisende litt ebenfalls an Unterkühlung und fing sich noch einen ausgewachsenen Katarrh in Qatar ein.

Wie uns Qatar gefallen hat, fragst du? Dreimal darfst du raten – das Kommentarfeld steht zu deiner Verfügung…

Angkor Wat

Alternative Fakten zu einem Weltkulturerbe

Einreiseformalitäten

visum

Für die Erstellung dieses „Visum on arrival“ werden am Flughafen von Siem Reap fünfzehn uniformierte Beamte benötigt. Der Erste zeigt den Einreisewilligen wo sie sich anstellen sollen, nämlich genau dort, wo alle anderen auch schon in einer Schlange stehen. Der Zweite nimmt Reisepass und biometrisches Passfoto (zwingend erforderlich, denn ohne kommt man laut offizieller Regierungs-Webseite nicht ins Land) entgegen und reicht sie an den Dritten weiter, der das doch nicht benötigte Passfoto wieder zurück gibt.

Der Vierte kassiert 30 $ Bearbeitungsgebühr, die der Fünfte in eine Kasse legt, was der Sechste im Kassenbuch vermerkt. Der Siebte kontrolliert den Eintrag im Kassenbuch, der Achte erstellt das Visum, das der Neunte in den Reisepass einklebt und der Zehnte im Pass festtackert. Doppelt hält besser, das wusste schon meine Oma.

Der Elfte haut den Stempel rein und dann unterschreibt der Zwölfte. Der Dreizehnte ruft die Besitzer der fertigen Pässe auf, die man abholen kann, falls man seinen Namen auf kambodschanisch versteht. Der Vierzehnte passt auf, dass niemand über die ganze surreale Prozedur lacht oder gar an der Warteschlange vorbei drängelt. Und dann geht es mit dem fertigen Pass zur Passkontrolle, wo der fünfzehnte Beamte Pass und Visum kontrolliert und die Einreise bestätigt.

Ist das effizient? Ist es sinnvoll? Frage nicht, Reisender! Bürokratie ist in jedem Land eine einzigartige Blume, deren Schönheit sich erst auf den zweiten Blick erschliesst. Wenn überhaupt. Immerhin sind hier fünfzehn Arbeitsplätze im klimatisierten Gebäude gesichert.


Tempel im Urwald

tempelruine im urwald

Lange rätselten die Historiker, warum im 10. Jahrhundert die Khmer mitten im Urwald unglaublich große und enorm weitläufige Steingebäude errichteten. Nun, ganz einfach, pass auf!

Bei jeder Waldputzete sammelten die Khmer die herumliegenden Steine auf. Und das waren ganz schön viele.

steine im urwald

Als nach einigen Jahrzehnten die Steinhaufen immer größer wurden, wurde der Platz für die Menschen allmählich knapp. Da kamen sie auf die Idee, die Steine wenigstens hübsch aufzuschichten.

tempelruine

Einer meinte, weil es bei 38 Grad und 99 % Luftfeuchtigkeit eh nichts Besseres zu tun gäbe, könne man doch auch gleich Elefantenmosaike aus den Steinen machen.

elefantenmosaik

Bald zogen sich kilometerlange Mauern mit Steinmosaiken durch den Dschungel.

mauer mit elefanten

Aber die Steine waren kaum weniger geworden. Also bauten die Khmer noch ein paar Tempel. Und wegen der optischen Wirkung legten sie gleich noch ein paar künstliche Seen an. Es gab ja sonst nichts zu tun.

angkor wat bei sonnenaufgang mit see

Dann veranstalteten sie einen Wettbewerb für Bildhauer. Dieses Arrangement zeigt einen Trupp grimmiger Bauarbeiter, die die lästigen Steine nachts im See versenken sollten.

steinfiguren

Eine frühe Architektin der Khmer namens La Ra Croft entwarf einige Tempel, inspiriert von einem damals beliebten Brettspiel namens „Tomb Rai Der“. Damit die fertigen Gebäude nicht leer standen, ernannten sie ein paar Leute zu Priestern und König, damit jeder ein passendes Häuschen bekam.

tempelruine

Nur die Gärtner hatten sie vergessen, angemessen zu bezahlen. Das führte zu einem Pflegenotstand und viele Gebäude wurden bald wieder vom Urwald verschluckt.

ruine mit baum
baum erdrückt haus

Lange war auch unklar, warum das Reich der Khmer nach jahrhundertelanger Herrschaft in Süd-Ost-Asien plötzlich sang- und klanglos unterging. Ganz einfach: die Bevölkerung war irgendwann so groß geworden, dass die Versorgung mit Nutella zusammenbrach. Das führte zu einer Revolution und Aus die Maus.

angkor wat

Die Tempelwächter

Vor thailändischen Tempeln tummeln sich allerlei zwielichtige Gestalten. Dieser Beitrag gibt einen kleinen Überblick.

In buddhistischen Tempeln steht meist, wer hätte es gedacht, eine mehr oder weniger vergoldete Buddhastatue.

Buddhastatue golden

Um dieses Heiligtum vor bösen Geistern zu schützen, stehen vor dem Eingang die Tempelwächter. Nebenbei sollen sie den Besuchern den gebührenden Respekt einflössen, was bei manchen westlichen Touristen dringend erforderlich ist.

Sehr beliebt sind Drachen an Ein- und Ausgang, damit man eventuelle Frevler auch noch beim Verlassen des Tempels erwischen kann:

Drachen am Eingang eines Tempels

Bei hohem Besucherandrang ist Vielköpfigkeit von Vorteil. Hier sieht man die buddhistische Version der Hydra. Man beachte die Zähne am unteren Bildrand:

vielköpfiger Drachen

Wenn in Zeiten von Corona die Besucher ausbleiben, spielen die Wächter gerne mal untereinander Fangen:

Drache frisst Drache

Diese Kreuzung zwischen Wachhund und Frosch kann extrem weit springen und damit böse Geister schon von Weitem vernichten:

Hundefrosch

Dieser kleine Wadenbeißer ist eher humorlos. Offenbar hat er etwas schwer Verdauliches gefressen und leidet jetzt unter Magenschmerzen:

schlechtgelaunter Tempelwächter

Sein Brüderchen hingegen scheint noch hungrig zu sein:

Drache

Dieses sympathische Exemplar namens Mom hat sich auf böse Schwiegermütter spezialisiert, die es mit Haut und Haar, mit Handtasche und Hut verspeist. Wie man rechts unten sieht, bleiben nur die Schuhe übrig:

Die Körpersprache spricht Bände. „Noch zwei Schritte, Fremder, und ich mache dich einen Kopf kürzer!“:

Wächter mit Schwert

Mit dieser Zehnkämpferin der Kriegskunst ist absolut nicht zu spaßen. Wenn dieses Schweizer Taschenmesser Handgranaten wirft, will man nicht in der Nähe sein:

vielarmige Kriegsgöttin

Dieser Albtraum der Füchse bewacht den Hühnertempel:

Hühnerwächter

Einmal im Jahr treffen sich die Tempelwächter im Trainingslager:

mehrere Tempelwächter

Dieser Kollege sieht etwas erschöpft aus. Es ist aber auch wirklich kein Spaß, jahrhundertelang Tag für Tag gegen böse Geister zu kämpfen. Und zum Dank wird man mit albernen Girlanden behängt und bekommt Himbeerlimonade geschenkt:

melancholischer Dämon

Zum Abschluß zeige ich noch zwei Spezialisten aus der Sicherheitsbranche. Dieser gemütliche Zeitgenosse kämpft nicht, er sitzt und beobachtet. Seine Aufgabe ist es, sich alle Gesichter zu merken, denn Elefanten haben ein besonders gutes Gedächtnis. Buddhistische Gesichtserkennung:

Elefantenskulptur

Und dieser drollige Geselle ist der am meisten unterschätzte Tempelwächter. Denn wenn er die Fanfare bläst, rückt die Kavallerie in Null komma nichts an:

trötender Elefant

Buddhistische Kugelkrebse

Der ewige Kreislauf des Lebens

Lange gab das Wirken der buddhistischen Kugelkrebse an Thailands Stränden der Wissenschaft Rätsel auf. Diese etwa 1 cm kleinen Winzlinge formen im Akkord Kugeln aus Sand, mit denen sie die Vorgärten ihrer Höhlen-Wohnungen verzieren, fast wie die schwäbischen Häuslebesitzer mit ihren Gartenzwergen.

kugelkrebs

In der Mitte wohnt der Obermufti mit den größten Kugeln. Drumherum siedelt eine ganze Kolonie, die die Wege zwischen ihren Höhlen mit ihren Scheren freifegen. Ganze Städte und Straßenzüge entstehen auf diese Weise.

kugelkrebse

Sechs Stunden lang belegen die Krebse bei Ebbe ohne Pause den Strand mit ihren Kugeln. Dann kommt die Flut und spült alles weg. Und nach weiteren sechs Stunden macht sich die Nachtschicht an die Arbeit, bis die nächste Flut wieder alles vernichtet.

kugelkrebse am Strand

Unserem Reporter gelang es nun erstmalig mit einer erweiterten Beta-Version von Google Translate ein Interview mit einem buddhistischen Kugelkrebs zu führen. Auf die Frage nach dem tieferen Sinn ihres lebenslangen vergeblichen Kugelbauens antwortete der Krebs in bester buddhistischer Tradition: „Der Weg ist das Ziel“.

Ob man sich denn nicht wenigstens die Nachtschicht sparen könnte, wo die Flut doch alles wieder zerstört, bevor es überhaupt Jemand sehen kann, wollte unser Reporter wissen. „Dann wären Yin und Yang nicht mehr im Gleichgewicht“, war die lapidare Antwort des Krebses. Und damit zurück ins Studio.

kugelfisch

Nein, das hier ist kein überfressener Kugelkrebs, sondern ein gestrandeter Kugelfisch. Kinder aufgepasst! So ergeht es einem, wenn man zuviel Brausepulver auf einmal isst.

Richtigstellung:

In unserem Artikel hat sich ein Fehlerteufelchen eingeschlichen: die Kugelkrebse sind natürlich keine Buddhisten, sie sind konfessionslos. Und sie ernähren sich, indem sie von Sandkörnern die organischen Ablagerungen ablutschen. Und damit sie nicht versehentlich zweimal das gleiche Sandkorn ablutschen – immerhin sehen die sich ziemlich ähnlich – formen sie aus den abgelutschten Körnern eine Kugel und werfen sie hinter sich.

Und die Kugelkrebse sind heilfroh, dass die Flut alle zwölf Stunden ihr Werk wieder wegspült. Bei der nächsten Ebbe können sie dann nämlich einfach wieder die Sandkörner ablutschen, auf denen das Meer neues Fresschen abgelagert hat.

Das ist der ewige Kreislauf des Lebens.

Thessaloniki

Besuch in der Heimat von Aristoteles und Alexander dem Großen

Der bis auf den letzten Platz ausgebuchte Flug mit Aegean Airlines von München nach Thessaloniki startet mit 30 Minuten Verspätung. Ich bin der einzige Nichtgrieche an Bord. Die Flugbegleiter haben alle Mühe, die Passagiere auf ihre Sitzplätze zu bekommen. Lautstarke Diskussionen über Sitzplatzwechsel zum Zwecke der Familienzusammenführung werden überlagert von hitzigen Streitereien über Handgepäck. Das Ganze wird übertönt vom Gebell eines Yorkshire-Terriers, der in seiner Reisetasche weder in die Overheadbins noch unter den Sitz passt. Auf dem Schoß seines Frauchens schnappt er wie eine tollwütige Kobra um sich und verletzt beide Sitznachbarn. Diese Skulptur an der Uferpromenade von Thessaloniki beschreibt das Chaos an Bord ganz treffend:

Skulptur mit Chaos

Im Hotel werde ich von der eigenwilligen Gestaltung der Türen überrascht. Ich hatte mich bisher nicht als ungewöhnlich groß eingeschätzt.

zu kleine Tür

Aristoteles, Schüler von Platon und Lehrer von Alexander dem Großen wirkte hier in Thessaloniki. Ihm haben wir bahnbrechende Wissenschaften zu verdanken, wie die Logik, Staatstheorie, Naturphilosophie und einige mehr. Ein Universalgelehrter eben.

Bildnis von Aristoteles

Alexander der Große lernte in Thessaloniki von Aristoteles, wie man eine friedliche demokratische Gesellschaft gründet. Dann schwang er sich auf sein Pferd und eroberte in blutigen Feldzügen ein Weltreich. Mit 30 Jahren beherrschte er die halbe bekannte Welt. Mit 33 Jahren starb er an einer banalen Infektion. Ob sich das unterm Strich gelohnt hat?

Alexander der Große zu Pferd

Der weiße Turm ist das Wahrzeichen von Thessaloniki. Er ist eigentlich zu nichts zu gebrauchen.

Der weiße Turm in Thessaloniki

Vielleicht noch, um Piratenschiffe abzuwehren, wenn sie so blöd sind, direkt vor den Turm zu fahren.

Blick vom weißen Turm

An der Uferpromenade von Thessaloniki läuft es am Wochenende ähnlich wie in Friedrichshafen. Der Grieche schnappt seine Familie und spaziert die Promenade auf und ab, bis ihn alle Nachbarn und Bekannten gesehen haben. Nur dass Thessaloniki ein paar mehr Einwohner und eine schmalere Promenade hat. Wer Körperkontakt sucht, ist hier richtig.

Blick auf Uferpromenade Thessaloniki

Der beste Konditor Griechenlands heißt Terkenlis. Ein Stück der Schokoladentorte ernährt eine fünfköpfige Familie eine Woche lang.

Schokoladentorte

Löchrige Regenschirme? Vom Wind verwehte Sonnenschirme? Frage nicht, Fremder, das ist Kunst!

Kunst

Ich kann zwar kein Griechisch, aber ich bin mir ziemlich sicher, was das Schild ungefähr bedeutet: „Niemals mit dem linken Fuß zuerst auf dieses tolle Spielzeug klettern, immer mit dem rechten Fuß beginnen!“

Kran mit Schild

Seit die alten Griechen von den Römern besiegt wurden, mögen sie diese nicht mehr so richtig leiden. Als kleine Rache wird alles, was aus der römischen Zeit stammt eingezäunt und den Katzen überlassen.

Ruine mit Katzen

Oder einfach konsequent ignoriert und dem Verfall überlassen, wie dieser Galeriusbogen.

Galeriusbogen

Die Griechen sind gewiefte Geschäftsleute. Um die Ladenöffnungszeiten zu umgehen, wird einfach ein Restaurant in einen Laden integriert. Man kann zwischen Vorspeise und Hauptgang dann schnell noch etwas Schinken für Zuhause kaufen. Und wenn einem der Wein zum Essen geschmeckt hat, kann man gleich ein Fläschchen käuflich erwerben.

Restaurant mit Laden

Valencia

Man sollte Architekten keinen Alkohol geben!

In Valencia fällt mir ein krasser Gegensatz auf: während es bei der altehrwürdigen Kathedrale nicht einmal für einen Turm gereicht hat, warten die modernen Gebäude mit allen Finessen auf, die einem Architekten einfallen können.

Kathedrale von Valencia ohne Turm
Eine Kathedrale ohne Turm? Eigenartig

Bei manchen Bauwerken hat man zwar den Eindruck, dass der Architekt etwas zu viel Sangria intus hatte, aber sehenswert sind sie allemal. Das hier ist entweder ein Auge oder die weiße Weltkugel in einem Raumschiff, das im Meer versinkt:

Das Auge von Valencia
Das Auge von Valencia

Hier wurde ein Baum solange in einer Kugel eingesperrt, bis er verdorrt ist. Quasi ein missglücktes Biosphären-Projekt:

Kuegel in Valencia
Verdorrter Baum in einer sinnlosen Kugel – Was will uns der Künstler damit sagen?

Bei diesem Bauwerk ist nicht überliefert, was sich der Architekt bei seiner Gestaltung gedacht hat. Vielleicht Haifisch? Oder Star Wars?

Gebäude
Ohne Worte

Diese wunderschöne Skulptur im Vordergrund trägt den Namen „der Baum in meinem Garten“. Naja, vielleicht nach einem Atomkrieg.

Der Baum in meinem Garten
Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Auch das Opernhaus lässt Raum für Interpretationen: Küchenschabe? Kakerlake? Raumschiff?

Opernhaus Valencia
Das Opernhaus von Valencia

Und hier noch die Ausgeburt des Wahnsinns: Eine gigantische Harfe mit Köpfen, die sich nach dem Wind drehen:

Kunst
Kunst muss man nicht verstehen…

Nun fragt man sich vielleicht, warum in Valencia so viele so ungewöhnliche Bauwerke stehen. Ganz einfach. Es ist nämlich so, dass Valencia regelmäßig von Überschwemmungen heimgesucht wurde, weil der Fluss Turia, der die Altstadt umschloss, über die Ufer trat. Das hatten die Bürger irgendwann satt und machten Nägel mit Köpfen: Sie verlegten den ganzen Fluss einfach großräumig. Dadurch wurde im ehemaligen Flussbett plötzlich ganz schön viel Platz in bester Citylage frei. Also veranstalteten die Valencianer einen Architekturwettbewerb. Bei Gestaltung und der Auswahl der Gewinnerprojekte floss offensichtlich reichlich Alkohol. Tja, das haben sie nun davon.

Essen und Trinken ist hier übrigens deutlich wichtiger als Arbeiten. Das Mittagessen beginnt um 14:00 Uhr und dauert mindestens zwei Stunden. Und wenn der Mitteleuropäer so gegen 22:00 Uhr langsam ins Bett geht, trifft man sich hier zum Abendessen. Ich durfte an einem zwölfgängigen Tapasmenü teilnehmen, von dem ich heute noch träume. Auf einem offenen Akazienholzfeuer gegrillter Babykalamar, zehn Stunden lang auf kleiner Flamme gegart und stündlich mit einer Marinade aus den Tränen einer Meerjungfrau beträufelt.

Gnocchi

Oder handgerollte Gnocchi aus bei Vollmond geernteten Chiasamen mit einem Kaviar-Trüffel-Pesto gefüllt, zwei Wochen in Eselsmilch eingelegt und dann im kaltgepressten Olivenöl vom heiligen Berg Olymp geröstet. Solche Sachen eben.

Sandburg
Sogar aus Sand bauen die Valencianer Meisterwerke