Barcelona Reloaded

Nachdem der Männerausflug mit den Tischtenniskameraden alkoholbedingt im Chaos versank, wird es nun Zeit, die Schönheit der katalanischen Hauptstadt zu würdigen. Der Versuch einer Rehabilitation.

Im Herbst 2021 flogen wir nach Barcelona. Wie oft haben wir uns über die langen Schlangen am Check-in geärgert! Aber diese coronabedingte Leere am Züricher Flughafen war dann doch ziemlich gruselig.

Flughafen Zürich menschenleer
Zürich Kloten. Wir sind allein, allein…

In Barcelona war dank erfolgreicher Impfkampagne nichts von irgendwelchen Einschränkungen zu spüren. Um den Touristen aus allen Ecken der Welt das Sprachproblem zu erleichtern, verzichtet man in der Metro auf Texte. Stattdessen wird in Piktogrammen anschaulich gezeigt, wie man sich zu benehmen hat.

Piktogramm in Metro Barcelona
Bei überfülltem Zug bitte das Dach nutzen!
Piktogramm in Metro Barcelona
Bei leeren Zügen rasch das Abteil wechseln!
Piktogramm in Metro Barcelona
Verhalten bei Ausfall des Motors!
Piktogramm in Metro Barcelona
Unterstützen Sie hilfsbedürftige Mitmenschen beim Umsteigen!
Piktogramm in Metro Barcelona
Spanische Männer werden nie erwachsen

Plaza de España VS. Plaça de Catalunya

Schon die Schreibweise der beiden Plätze zeigt, dass hier feine Unterschiede gemacht werden. Ich hatte an anderer Stelle bereits über die ablehnende Einstellung der Katalanen zu Spanien berichtet. Dass der Spanische Platz größer, pompöser, eindrucksvoller ist als der Katalanische Platz, das bestreitet Niemand. Aber bei genauer Beobachtung erkennt man die feine Rache der Katalanen, die fiesen kleinen Nadelstiche. So werden Baustellen am Spanischen Platz einfach nie fertig und die Brunnen sind meistens außer Betrieb, weil sie mal wieder gereinigt werden. Und das kann dauern.

Placa Espagna in Barcelona
Plaza de España
Säulen an der Placa Espagna in Barcelona
Sinnlose Säulen stützen die Luft
Städtischer Arbeiter reinigt den Brunnen
Hochseilartist? Brunnenputzer am Spanischen Platz

Am Plaça de Catalunya bitten Schilder um Hilfe bei der Bekämpfung des Taubenproblems. Das hält findige Geschäftemacher nicht davon ab, Taubenfutter an die Touristen zu verkaufen. Denn auf den Urlaubsfotos macht es sich so gut, wenn man inmitten einer Wolke aus Tauben steht. Außer man wird von einer Kackbombe getroffen.

Tafel Tauben nicht füttern
Das Taubenproblem
Placa Cataluna mit Tauben
Problem? Welches Problem?

Reus – die Wiege eines Genies

Wenn man Barcelonas architektonische Schätze verstehen will, muss man ein Stück an der Küste entlang nach Reus fahren. Dort wurde Antoni Gaudi geboren und angeblich wurde dort auch seine künstlerische Persönlichkeit geformt.

Geburtshaus Antonio Gaudi in Reus
Das Geburtshaus von Antoni Gaudi

Über Gaudis Kindheit gibt es wenig belastbare Informationen. Aber vor seinem Geburtshaus steht eine Skulptur, die das angehende Genie beim Spielen mit Murmeln zeigt. Sein Größenwahnsinn war offensichtlich schon in der Jugend ausgebrochen, denn die Murmeln haben Dimensionen, von denen ich als Kind nicht mal geträumt habe. Aber aus mir wurde ja auch kein Stararchitekt.

Gaudi Adolesente - El Nen
Der junge Gaudi spielt

Im nahegelegenen Park findet man einige Übungsbeispiele im Gaudistil. Erstaunlich, was man mit ein bisschen Fantasie aus einer lausigen Parkbank machen kann.

Parkbank in Reus im Gaudistil
Schöner sitzen – Parkbank im Gaudistil
Parkbank in Reus im Gaudistil
Lauschiges Plätzchen
Brunnen in Reus im Gaudistil
Wasserspiele

Park Güell – Spielplatz der Kreativität

Als Gaudi größer wurde, knöpfte er sich größere Aufgaben vor. In Barcelona kann man einige von ihm entworfene Häuser besichtigen. Aber selbst Laien wie ich erkennen, dass der angehende Meister hier noch geübt hat, denn er hat nicht einmal eine gerade Wand hinbekommen. Ich würde beim Einzug Mietminderung geltend machen, denn wie soll man denn in so einer windschiefen Wohnung seine Möbel stellen?

Casa Mila in Barcelona
Casa Milà

Im Park Güell konnte Gaudi dann seiner Fantasie freien Lauf lassen. Der Gärtner bekam ein eigenes Lebkuchenhaus und überall stehen Mosaiken in der Landschaft herum. Und wie sich das für ein Genie gehört, verzichtete Gaudi auf die Verwendung einer Wasserwaage.

Schiefe Säulen im Park Güell
Wenn man zu stolz ist, die Wasserwaage zu verwenden…
Lebkuchenhaus im Park Güell
Das Haus des Gärtners
Mosaik im Park Güell
Begrüßungsmosaik
Palmengang im Park Güell
Der Palmengang

Das beliebteste Fotomotiv des Parks ist aber die Veranda mit dem legendären Mosaik-Geländer. Diese Balustrade ist so beliebt, dass man sie vor lauter Instagram-Jägern nicht mehr sieht. Die Parkverwaltung hat eine Securityfirma beauftragt, die im Minutentakt allzu rücksichtslose Fotografen von der empfindlichen Keramik runterpfeift. Deshalb konnte ich dieses Kunstwerk leider nur in Ausschnitten dokumentieren.

Balkon im Park Güell von Menschenmassen verdeckt
Das unsichtbare Geländer
Balkongeländer Park Güell
Eine unbeachtete Ecke
Balkon Park Güell mit Aussicht auf Barcelona
Endlich ein Lichtblick!
Park Güell Geländer mit Lebkuchenhaus
Pilzkopf
Balkongeländer Park Güell mit Aussicht auf Barcelona
Beste Aussichten

Sagrada Familia

Gaudis größtes Projekt ist wohl die Sagrada Familia, die mit ihrer Bauzeit selbst den BER in den Schatten stellt.

Sagrada Familia
Da fehlt nicht mehr viel
Schnecken an der Sagrada Familia
Selbstironisches Detail – Bau im Schneckentempo
Jesusfigur an der Fassade der Sagrada Familia
„Jetzt komm endlich runter, die Kreuzigung beginnt gleich!“

Und sonst?

Barcelona bietet so viele sehenswerte Ecken, dass es diesen Bericht sprengen würde. Fahr doch einfach mal selber hin, es lohnt sich auf jeden Fall. Aber achte darauf, dass du nicht mit deinem Sportverein unterwegs bist, denn das könnte schief gehen.

Unser nächstes Reiseziel ist übrigens Indien. Zum Glück gibt es am Hafen von Barcelona Jemanden, der den Weg dorthin sicher aus eigener Erfahrung kennt.

Kolumbusdenkmal in Barcelona
Christoph Kolumbus: „Da lang geht’s nach Indien!“

Falls wir lebend zurückkommen (die Chancen stehen laut einschlägigen Internetforen 50:50), kannst du dich auf bunte Bilder und neue Geschichten freuen. Falls nicht, können wir nur hoffen, dass ich mich nach der Wiedergeburt noch an mein Passwort erinnere.

Autor: sinnlosreisen

Skurille Reiseerlebnisse zum Lachen

15 Kommentare zu „Barcelona Reloaded“

  1. Was wäre die Sagrada Familia ohne ihren obligatorischen Baukran, der über ihr schwebt 😉 Ich bin auf Indien schon sehr gespannt, vor allem deshalb, weil ich 1. noch die dort war, und 2. gerade über mir etwas von „geflasht“ lese. Du wirst dich schon noch davon erholen, und bis dahin harren wir gespannt der Berichte, die da kommen mögen… 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Ja, Kathedralen brauchen ihre Zeit. Schon die Dinger, die hierzulande rumstehen, haben üblicherweise Jahrhunderte gebraucht, manche, wie der Kölner Dom, wurden erst fertig, als man diese Bauweise eigentlich schon aufgegeben hatte, weil man gar nicht mehr wußte, was man damit mal vorhatte. Insofern ist die Hast der modernen Zeit ein wenig unverständlich. Allerdings hatten die sogenannten Macher (also die, die außer dem sogenannten ersten Spatenstich niemals irgend etwas mit einem Werkzeug machen) auch von vorneherein lustige Zeitpläne gemacht und witzige Preisschilderchen drangehängt, an die zwar niemand glaubte, das aber so richtig laut auch nicht sagen wollte.

    Auf die Reise mit einem Segelschiff von Barcelona – das ist ja immer noch Spanien, nicht wahr? – nach Indien bin ich gespannt. Der letzte, der diese Fahrt machte, drei Schiffe hatte er, meine ich mich zu erinnern, Santa Maria, den schwerfälligen Kasten, Pinta und Nina und er fuhr von Palos de la Frontera aus, hat sich ziemlich fatal verfahren.

    Like

  3. Ah, wie gut, dass du deine Chance zur Wiedergutmachung weidlich und auch seriös genutzt hast 😁. Ja, Barcelona ist wahrlich eine tolle Stadt. Auch wenn man Highlights wie den Parc Güell mit der halben Welt teilen muss. Einen Besuch von Reus habe ich, hüstel, irgendwie versäumt. Das scheint sich ja echt zu lohnen. Next time!

    So, und nun warte ich gespannt auf deinen Bericht (vielleicht werden es ja auch mehrere) über Indien. Ein echter Kulturschock, nicht wahr? So ging es mir jedenfalls, auch wenn mich das Land sehr fasziniert hat.

    Gefällt 1 Person

    1. „Kulturschock“ fasst es in einem Wort zusammen 😅. Ich brauche noch eine Weile, um das alles in Worte zu fassen. Nur soviel vorab: Als wir gestern nach 2 Wochen Indien in Bangkok mit dem Taxi durch den sechsspurigen Feierabenstau fuhren, lehnten wir uns beide mit einem Lächeln zurück und genossen die entspannte Fahrt 😂. Jetzt stehen erstmal 4 Wochen Erholung in Thailand an.

      Gefällt 2 Personen

      1. Das glaube ich dir sofort 😂! Vier Wochen Thailand erscheinen mir als würdige und gleichwertige Alternative zu einem Aufenthalt im Sanatorium mit Intensivpflege. Klasse, dass ihr dieses Mal mit richtig viel Zeit im Gepäck unterwegs seid. Viel Spaß in Thailand!

        Gefällt 1 Person

        1. Danke! Viel besser als Sanatorium, weil auch noch das Wetter herrlich ist. Und die Menschen sind so entspannt und nett. Hier bedankt sich der Taxifahrer mit gefalteten Händen und einer Verbeugung, dass man sich hat fahren lassen. In Indien halten sie die Hand auf für Trinkgeld.

          Gefällt 1 Person

  4. Schon wieder? Ja, aber ganz unpassend (zu Barcelona, Spanien, Wärme – aber daneben hat es ja Berge, hab ich schon mal erzählt, dass ich einst auf dem Pic du Canigou stand? In den Pyrenäen war das der Höchste selbsterstiegene), Themaverfehlung: es wird Zeit… mal sehen, wie viele ich bis morgen schaffe, aber dann ist ja noch nicht Weihnachten vorbei… ich muß noch mehr einschlägige Beiträge bringen!): Schöne Weihnachten und einen rutschfreien Winter!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: